Frank Jesse über seinen Citroën SM

Frank Jesse über seinen Citroën SM

Baujahr: 1971
Hubraum: 2670
PS: 170
Zylinder: 6
km/h maximal: 220
Verbrauch: 10-13 Liter
Gebaute Exemplare: 12 920

Es hätte alles so schön werden können. Ein spektakuläres Design, eine kraftvolle Motorisierung und ein vorbildlicher Komfort – der Citroën SM besaß alle Zutaten für ein großes Auto. Doch die Zusammenarbeit von Citroën und Maserati wurde ein Flop. Zu teuer, zu kompliziert und in der Ölkrise auch zu durstig – die Produktion des SM wurde nach wenigen Jahren eingestellt. Frank Jesse gehört zu der eingeschworenen Fangemeinde, die das Andenken an den speziellen Franzosen aufrecht erhalten.

Deshalb habe ich ihn: Damals fuhr der Citroën-Händler in meinem Heimatort einen SM. Dieses Auto hat mich einfach total fasziniert, vor allem die Glasfront mit ihren Scheinwerfern, wobei sich die inneren in Kurven mitdrehen. Der SM war damals das schnellste frontangetriebene Serienauto der Welt, der Sechs-Zylinder-Maserati- Motor bringt es auf 220 Stundenkilometer. Faszinierend ist auch das raketenähnliche Design: Die Concorde und der Citroën SM wurden in den 1970er Jahren in Frankreich in einem Atemzug genannt.

Das kann er: Er ist ein luxuriöser Sportwagen mit einem unendlichen Komfort. Der SM schwebte damals in einer Liga mit Jaguar, BMW, Mercedes oder Porsche. Die hydropneumatische Federung schluckt jede Unebenheit auf der Straße, auch das Interieur mit den ovalen Tachos, dem Einspeichenlenkrad und dem verchromten Schaltknüppel des Fünf-Gang-Getriebes ist wegweisend. Die Lenkung kehrt von ganz allein in die Ausgangsposition zurück, sobald man das Lenkrad loslässt. Wegen seiner kraftvollen Motorisierung fühlt sich der SM vor allem auf der Autobahn wohl.

Das kann er nicht: Er ist ein recht kompliziertes Auto. Die Citroën-Werkstätten waren damals überfordert mit dem für sie fremden Maserati-Motor. In ihrer Not tauschten sie selbst bei kleineren Problemen gleich ganze Motoren aus. Das Image des Wagens war deshalb schnell lädiert. Selbst kann man an diesem Oldtimer eigentlich wenig schrauben. Er kann eben eine schwierige Diva sein, weshalb ich froh bin, dass ich Spezialisten für Citroën SM hier in meiner Nähe kenne.

Das habe ich für ihn getan: Viel musste nicht getan werden. Der SM befindet sich in unverbasteltem Originalzustand, was ihn für mich so wertvoll macht. Er verströmt den angenehmen Geruch von 47 Jahren. Als ich den Wagen übernommen habe, hatte er gerade einmal 55 200 Kilometer gelaufen. Denn der SM stand wohl mehr als 30 Jahre lang sicher und trocken in einer französischen Garage. Die Erstzulassung erfolgte im April 1971 im wohlhabenden 16. Arrondissement in Paris. Danach befand er sich circa 35 Jahre in Südfrankreich, bevor ich ihn vor fünf Jahren aus Lothringen nach Köln überführt habe.

Das haben wir erlebt: Viele schöne Fahrten zu Treffen von Citroën-Freunden, Ausfahrten ins Bergische Land oder ins Elsass, wo auch mehrere Citroën DS dabei waren.

Das haben wir vor: Pfingsten gibt’s ein Internationales Citroën-SM-Treffen in Köln, da bin ich Mitorganisator. Wir machen eine Ausfahrt ins Bergische und ein Stopp am Grand Hotel Schloss Bensberg. Rund 60 SM aus Deutschland, Frankreich, Schweiz, Italien, England und den Niederlanden sind dabei.
Aufgezeichnet von
Tobias Christ

Erschienen 2012 im „Kölner Stadt-Anzeiger“